10 Meter tiefer Sand und nichts als Wald – wie wir ein kleines Wunder geschaffen haben

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Die Strecke Köln – Berlin bin ich so oft geflogen, dass mich die Stewardessen irgendwann fast mit Handschlag begrüßt haben. Grund war ein herausforderndes Projekt, an das ich mich auch heute noch immer gerne erinnere.

Norbert Nahler

Norbert Nahler war ab 1994 in der CLASSEN Gruppe zunächst als Betriebsleiter und später als Leiter des technischen Büros beschäftigt. Seit Oktober 2015 ist er im verdienten Ruhestand. Er hat den Aufbau der Laminatproduktion zunächst in Kaisersesch und später in Baruth begleitet.

Anfang des Jahres 1999 sprach mich unser damaliger Geschäftsführer an und sagte zu mir: „Wir machen mal eine Geschäftsreise.“ Er ist aber nicht damit rausgerückt, was wir uns ansehen würden. Wir fuhren also nach Berlin und von da aus die A13 Richtung Süden. Irgendwann kamen wir an eine Behelfsausfahrt, an der stand auf einem Schild „Baruth“. Dann sind wir noch etwa 15 Kilometer weitergefahren, rechts und links die märkische Kiefer, ganz dicht Baum an Baum, in den Dörfern gab es teilweise nur Sandpisten ohne Straßendecke. Dann bogen wir rechts ab, da standen ein paar alte Industriegebäude, ein Stückchen weiter ein Sägewerk, ansonsten führte eine 20 Meter breite Sandpiste mit sehr tiefen Bodenwellen immer geradeaus. Schließlich kamen wir an eine Stelle, an der war auf der linken Seite eine riesige Fläche mit nichts als feinstem, gelben Sand zu sehen. Und auf der rechten Seite stand nur Wald mit den märkischen Kiefern. Wir hielten an und ich fragte:

„Was machen wir hier eigentlich?“

„Ja“, sagte mein Geschäftsführer, „da, wo jetzt die große freie Sandfläche ist, da baut eine Firma ein Plattenwerk für MDF-Platten. Die Sägespäne von dem Sägewerk wollen sie für die Plattenherstellung nutzen. Und da gegenüber, wo jetzt die Bäume stehen, haben wir uns entschlossen, ein neues Laminatwerk aufzubauen.“ Das also war der Plan: Synergieeffekte nutzen, indem vorne Holz für das Sägewerk angeliefert würde, das Plattenwerk die Sägespäne zu Platten verarbeiten und wir diese direkt gegenüber beschichten und zu Laminat verarbeiten würden.

CLASSEN hatte dort in Baruth ein Gelände gekauft, das einen Kilometer lang und 500 Meter breit war, also 50 Hektar. „Wir planen hier, 2001 die erste Produktion zu fahren“, eröffnete mir mein Geschäftsführer. Und da stand ich nun und blickte auf eine riesige Fläche mit Wald! Es gab in meinem Kopf natürlich erst mal viele Fragen. Wie plante man so ein großes Projekt?

Wir sind dann zurückgefahren und haben überlegt: Was können wir in Baruth besser machen als am Standort Kaisersesch, wo wir zu diesem Zeitpunkt fast das Ende unserer Produktions- und Platzkapazitäten erreicht hatten. Eines war uns schnell klar: Wenn wir in Baruth so viel Platz haben würden, wollten wir die Anlage so planen, dass wir die Platten an einer Seite hineinbringen, in einem geraden Durchlauf beschichten, zuschneiden und profilieren und auf der anderen Seite als fertiges Laminat in einem Hochregallager lagern könnten.

Als wir den ersten Grundriss des Geländes bekamen, machten wir uns an die erste Planung. Wir besorgten uns von den vorhandenen Maschinen in Kaisersesch Pläne, haben die Maschinen in einem bestimmten Maßstab auf Papier gezeichnet, ausgeschnitten und dann aneinandergereiht. Und da kamen wir auf eine Anlagenlänge von 350 Metern!

Grundsteinlegung in Baruth

In Kaisersesch hatten wir zu diesem Zeitpunkt eine Produktionkapazität von 18 bis 20 Millionen Quadratmetern Laminatfußboden im Jahr. Und natürlich wollten wir in Baruth mehr erreichen. Dass uns das gelungen ist sieht man daran, dass Baruth heute 80 Millionen Quadratmeter im Jahr produziert. Zu diesem Zeitpunkt planten wir mit drei Profilierungsanlagen plus der gesamten dazugehörigen Infrastruktur wie Kurztaktpressen. Das war unser erstes Grundgerüst für eine Halle: 400 Meter lang und etwa 100 Meter breit. Diesen Komplex planten wir so auf dem Gelände, dass wir das Werk später bei Bedarf erweitern könnten. Und das sollte in den Jahren auch sehr schnell passieren.

Als wir anfingen zu bauen stellte sich heraus, dass der viele Sand im dortigen Baruther Urstromtal gar nicht so problematisch war, wie zunächst befürchtet. Es gibt dort unter der Oberfläche erstmal zehn Meter tief Sand, keine Steine. Trotzdem war der Boden nach entsprechenden statischen Versuchen tragfähig genug für die vier mal vier Meter großen Hallenfundamente je Stütze. Die Halle hatten wir mit möglichst wenig Innenstützen geplant, so dass sie eine freitragende Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 50 Metern bekam, was damals auch noch etwas Besonderes war.

Mitten in der Bauphase, im Winter 2000/2001 kamen wir in einen wirklich außergewöhnlich kalten Winter mit mehr als minus 20 Grad. Und das, als wir schon dabei waren, in den Hallen die Maschinen aufzubauen. Kabelrollen mussten wir zum Aufwärmen extra in beheizte Container stellen, damit wir die Kabel überhaupt verlegen konnten. Aber alles hat irgendwie geklappt, und tatsächlich haben wir wie geplant 2001 die ersten Produktionslinien in Betrieb genommen.

Schnell merkten wir: das Werk reicht nicht! Unser Laminat erlebte einen riesigen Boom. Also haben wir schon 2003 das komplette damalige Werk gespiegelt und die Kapazitäten verdoppelt. Als dann also Werk 2 lief, dachte ich mir: Jetzt wird es vielleicht etwas ruhiger werden. Aber da hatte ich mich geirrt! Denn schnell gab es die Überlegung, ein eigenes Plattenwerk in Baruth zu bauen. Und am 6. August 2007 haben wir da die erste Platte gepresst. Und es ging immer weiter und weiter, bis wir das weltweit größte Laminatwerk an einem einzigen Standort waren und noch sind.

„Das kann alles nicht wahr sein!“

Oft habe ich in Baruth auf das Werk geschaut und gedacht: „Das kann alles nicht wahr sein!“ Alles ist so groß geworden und es ist unglaublich schnell entstanden. Aus heutiger Sicht war es, trotz Stress und kleinen und großen Herausforderungen, eine Aufgabe, die viel Spaß gemacht hat. Ich bin stolz, auf das, was wir dort im Team gemeinsam geschaffen haben und darauf, selbst dabei gewesen zu sein.

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